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Umschulung der Händigkeit - was ist das?

Eine Umschulung der Händigkeit ist das Trainieren eines Linkshänders auf seine rechte Hand zum Schreiben und manchmal auch noch auf weitere Tätigkeiten. Natürlich könnte es auch das Umtrainieren eines Rechtshänders auf die linke Hand als Schreibhand sein, das ist aber sehr selten.

 

Die Umschulung kann im Allgemeinen in verschiedenen Phasen des Lebens stattfinden. Manche Menschen erinnern sich im Erwachsenenalter garnicht mehr daran, da sie bei der Umschulung noch so klein waren. Andere erinnern sehr gut, wie der Lehrer in der Schule sie gezwungen hat mit rechts das Schreiben zu lernen. Die dritte Gruppe ist sich einem Umschulungsprozess überhaupt nicht gewahr, weil sie sich selbst umgeschult haben und die letzte Gruppe hatte im entscheidenden Alter die dominante linke Hand vielleicht gebrochen oder konnte sie anderweitig länger nicht benutzen und musste auf die rechte Hand ausweichen.

Gründe gibt es viele, die Auswirkungen sind ebenso mannigfaltig, jedoch bleibt kaum eine Umschulung ohne negative Folgen für den Betroffenen.

 

In meine Praxis kommen viele Menschen, die mit Händigkeit ein Thema haben. Die meisten sind Eltern von Vorschulkindern, die ihre Kinder mit wechselndem Handgebrauch bei mir auf ihre Händigkeit testen lassen. Diese Eltern sind Eltern, die unbedingt eine Umschulung vermeiden wollen. Sie haben sich mit dem Thema irgendwie auseinander gesetzt und wären mit einer Linkshändigkeit grundsätzlich einverstanden, wollen aber sicher gehen.

Ein oder zwei Generationen vorher gab es solche Gedanken noch eher selten. Der vorherrschende Gedanke war, dass ein Mensch es in unserer auf Rechtshänder normierten Welt, auf jeden Fall leichter hat, wenn er Rechtshänder ist. Damals war man sich nicht bewusst, dass die Händigkeit genetisch festgelegt und nicht beeinflussbar ist, dass eine Umschulung negative Konsequenzen haben würde oder dass man dem Kind damit einen quälenden Prozess des Schreiben lernens zumutete.

 

Heute kennen wir diese Probleme. Umgeschulte Linkshänder leiden womöglich unter unleserlicher Schrift, unter Schmerzen beim Schreiben bis hoch in den Kopf, unter Kopfschmerzen, unter Schreibunlust, unter Stottern, unter Konzentrationsproblemen, unter Black Outs, unter Problemen mit dem Selbstbewusstsein usw...

 

Diese Liste ist eine Liste von Möglichkeiten. Kaum ein umgeschulter Linkshänder vereinigt alle diese Punkte in sich. Einige wenige davon reichen aber schon um ein Leben unnötig zu erschweren. Je nach Leidensdruck suchen die Betroffenen dann Hilfe bei Linkshänderberatern um die Möglichkeiten einer Rückschulung zu besprechen, also dem Zurücktrainieren auf die linke Hand als Schreibhand. Diese Rückschulung werde ich noch in einem gesonderten Beitrag erläutern.

 

Die meisten Menschen heutzutage wissen irgdendwie, dass man Linkshänder Linkshänder sein lassen sollte. Meist ist das ein unbestimmter Gedanke ohne wirkliches Wissen dahinter, das macht aber nichts, solange man sich daran hält.

Gerade in der älteren Generation (und alle Älteren, die nicht so denken, mögen mir verzeihen), gibt es noch Menschen vom alten Schlag, die nach wie vor der Meinung sind nur das "schöne Händchen" dürfe schreiben und die Linkstotsch nicht. Linkshändige Kinder, die bei solchen Großeltern aufwachsen sind natürlich gefährdet.

 

Doch der Grund, der heute die meisten Umschulungen bringt sind nicht diese älteren Herrschaften, sondern die Kinder selbst. Kinder lernen durch Nachahmung und wenn ein Kind in eine Rechtshänderfamlilie geboren ist, mit rechtshändigen Kindern und Erziehern im Kindergarten den Tag verbringt, dann kann es sein, dass das Kind sich selbst umschult. Durchaus unbemerkt von den Eltern oder anderen Erwachsenen. Gerade schlaue Kinder, die besonders gewitzt in der Nachahmung sind, sind hier gerne betroffen.

 

Wie auch immer eine Umschulung geschieht, sie bleibt selten ohne negative Folgen - ein viel zitierter Satz von meiner Lehrerin

Dr. Johanna Barbara Sattler - und dem kann ich mit meiner langjährigen Erfahrung nur beipflichten.

 

Beobachten Sie die Kinder gut in ihrer Entwicklung und wenden Sie sich gegebenenfalls an eine/n Linkshänderberater/in.