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Druckschrift oder Schreibschrift?

Wenn ein Kind in die Schule kommt, hat es meist vorher schon seinen Namen zu schreiben geübt. Vielleicht kann es auch schon Mama oder Papa schreiben oder den Namen des Geschwisterkindes. Auf jeden Fall aber, schreibt das Kind diese Namen allesamt in der Druckschrift, diese, die Sie hier auch gerade lesen. Ist das nun gut oder schlecht und wie soll es optimalerweise in der Schule weitergehen?

Wir sind uns alle einig darüber, dass in der Vorschule das Schreiben bzw. Malen von Druckbuchstaben den Kindern leichter fällt als Schreibschriftbuchstaben. Hier geht es erstmal darum überhaupt etwas zu Papier zu birngen, wo Mama und Papa dann sagen: "Oh, du hast Emma geschrieben, toll gemacht!" Und die beiden lächeln und freuen sich und das war das Ziel. Das Kind schreibt ja noch nicht um des Schreibens Willens. Es übt im besten Fall seine Graphomotorik, in dem es den Stift in einer vorgegebenene Weise über das Blatt führt und so den Buchstaben eben gut oder weniger gut nachahmt. Am Anfang noch viel zu groß und schief und so weiter... Da das Schreiben uns allen am Anfang schwer fällt ist man schnell geneigt zu sagen, dass die Druckschrift wohl die bessere Anfangsschrift für uns alle wäre. Das wollen wir uns nun näher betrachten.

Was ist überhaupt die Druckschrift? Vom Namen her hören wir es schon, es ist eine Schrift zum Drucken - für den Buchdruck, genauer gesagt. Sie wurde nur deshalb erfunden, damit mit den auswechselbaren Lettern eine Buchseite gesetzt werden konnte. Dafür waren Buchstaben nötig, die nicht miteinander verbunden waren, wie es in der Schreibschrift der Fall war und ist. Die Schreibschrift ist also, auch dem Namen her, die Schrift die geschrieben wird, mit der Hand. So zeigen uns die Namen schon deutlich, welche Schrift früher wozu genutzt wurde.

Heute beginnen viele Schulen in der ersten Klasse mit der Druckschrift. Die Lehrer sagen, so wäre es einfacher, auch weil die Kinder ja die Druckschrift im Buch lesen und somit lesen und schreiben sie die gleichen Buchstaben. Die Kinder lernen dann in der zweiten Hälfte des zweiten Schuljahres die Schreibschrift, sozusagen als zweite Schrift nach eineinhalb Jahren. Aus meiner Sicht, und da bin ich nicht alleine, macht das überhaupt keinen Sinn. Die Kinder haben es zwar am Anfang vermeintlich leichter, sie tun sich aber bei der Umstellung auf die Schreibschrift umso schwerer. Linkshändige Kinder können bei der Druckschrift noch ohne Probleme die Buchstaben von rechts nach links schreiben - wie zum Beistpiel bei dem Buchstaben A ( von rechts unten nach oben und links unten und den Querstrich von rechts nach links ziehen). Diese Richtung gewöhnen sie sich an und wenn sie dann das A in Schreibschrift mit dem nächsten Buchstaben verbinden sollen, dann kommen sie an der falschen Seite heraus. Die Kinder haben sich allesamt die Druckschrift angewöhnt, die ohne jeden Schwung, ohne jede Flüssigkeit daher kommt und sollen nun elegante, flüssige und verbundene Buchstaben produzieren. Schwer, für Viele. 

Ich sehe, gott sei Dank, auch an der Grundschule meiner Kinder, dass es sehr gut anders herum geht. Die Kinder dort lernen das Lesen von Druckschrift und das Schreiben von Schreibschrift gleichzeitig, wie es früher üblich war. Und das funktioniert einwandfrei und macht den allermeisten Kindern überhaupt keine Schwierigkeiten. Die Schreibschrift kommt dem Malen tatsächlich viel näher, als die Druckschrift. Im Malen eines Blumenbildes, wie oben zu sehen z.B. sind so viele Bestandteile unserer Schreibschrift zu sehen. Sie stellt tatsächlich einen höheren Anspruch an die Graphomotorik, dieser tut den Kindern aber nicht schlecht, sondern führt dazu, dass viele neue Synapsen im Hirn gebildet werden.

 

Heute wissen wir, dass die Schreibschrift sich dann über die Jahre weiterentwickelt zu einer Handschrift. Diese ist gekennzeichnet durch nicht verbundene Anteile in einem Wort und wird von mir in einem weiteren Blogartikel besprochen.

 

Und übrigens, Druckschrift kann meine Große in der 4. Klasse nun natürlich auch schreiben, weil die zu lernen, wenn ich schon Schreibschrift schreiben und Druckschrift lesen kann, kein Problem mehr darstellt.